Warum TRIGGER wenig mit dem Hier & Jetzt zu tun haben
Warum TRIGGER wenig mit dem Hier & Jetzt zu tun haben
Der Mensch vor dir löst deine Reaktion aus – ihr Ursprung liegt jedoch oft viel weiter zurück.
Vielleicht kennst du das. Jemand macht eine Bemerkung. Antwortet nicht auf deine Nachricht. Kritisiert dich. Zieht sich zurück.
Und plötzlich ist da eine Reaktion, die dich selbst überrascht: Wut. Enttäuschung. Scham. Angst. Das Gefühl, nicht zu genügen, nicht wichtig zu sein oder verlassen zu werden.
Von aussen betrachtet scheint die Situation oft gar nicht so gravierend zu sein. Warum fühlt sie sich dann so überwältigend an?
Die Antwort liegt häufig nicht im aktuellen Ereignis, sondern in der Art, wie unser Gehirn Erfahrungen speichert.
Unser Gehirn gleicht neue Situationen innerhalb von Millisekunden mit früheren Erfahrungen ab. Erkennt es Ähnlichkeiten zu einer früher emotional belastenden Situation, aktiviert es automatisch das implizite emotionale Gedächtnis – also Erinnerungen, die nicht als bewusste Geschichte gespeichert sind, sondern als Gefühle, Körperempfindungen und automatisierte Reaktionsmuster.
Das bedeutet: Meist erinnerst du dich nicht bewusst an das ursprüngliche Erlebnis.
Aktiviert wird vielmehr das damals nicht verarbeitete emotionale Erleben. Deshalb fühlt sich die Reaktion im Hier & Jetzt vollkommen real an – obwohl ihre Intensität häufig aus einer viel früheren Erfahrung stammt.
Genau deshalb helfen Sätze wie „Das ist doch gar nicht so schlimm.“ oder „Reiss dich einfach zusammen.“ so selten. Unser emotionales Gehirn reagiert nicht auf Logik. Es reagiert auf das, was es als bedeutsam, bedrohlich oder schmerzhaft abgespeichert hat.
Das Tragische daran ist:
Wir sind oft überzeugt, unser Partner, unsere Kinder, Arbeitskollegen oder Freunde seien die Ursache dieser Gefühle. Dabei sind sie häufig der Auslöser.
Der eigentliche Ursprung liegt oft in einer früheren Erfahrung, die emotional nie vollständig verarbeitet werden konnte.
Solange diese unbewussten Muster bestehen bleiben, werden ähnliche Situationen immer wieder dieselben Gefühle aktivieren. Nicht, weil die Vergangenheit noch einmal passiert – sondern weil unser Nervensystem sie im Hier & Jetzt erneut als relevant einstuft.
Deshalb geht es in psychologischer Arbeit oft nicht zuerst darum, das Verhalten anderer Menschen zu verändern.
Es geht darum zu verstehen, warum bestimmte Situationen uns so tief treffen, während sie andere Menschen kaum berühren.
Denn in dem Moment, in dem wir den Ursprung einer Reaktion erkennen, entsteht etwas Entscheidendes:
WIR GEWINNEN WAHLFREIHEIT.
Wir müssen nicht länger automatisch aus alten Verletzungen heraus reagieren, sondern können Schritt für Schritt lernen, auf das zu antworten, was heute tatsächlich geschieht.
Genau darin liegt für mich einer der wertvollsten Schlüssel nachhaltiger Veränderung.
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