Teil 3 #3 - Der desorganisierte Bindungsstil im Erwachsenenalter
Der DESORGANISIERTE BINDUNGSSTIL im Erwachsenenalter - Ich sehne mich nach dir – und habe Angst vor dir.
Im letzten Beitrag ging es um die unsicher-ambivalente Bindung: die Sehnsucht nach Nähe und die Angst, sie zu verlieren.
Beim desorganisierten Bindungsmuster kommt ein schmerzhafter Widerspruch hinzu: Der Mensch, bei dem ich Geborgenheit suche, kann zugleich der Mensch sein, vor dem ich mich fürchte.
Stell dir ein Kind vor, das Angst hat und zur Mutter läuft, um getröstet zu werden. Manchmal nimmt sie es liebevoll in den Arm. Ein anderes Mal reagiert sie wütend, weist es zurück oder macht ihm selbst Angst. Vielleicht ist sie unberechenbar, weil sie mit dem eigenen Leben überfordert ist.
Das Kind braucht seine Mutter. Es möchte zu ihr, um sich sicher zu fühlen – und muss zugleich damit rechnen, dass genau diese Nähe schmerzhaft wird.
Wohin soll es sich wenden, wenn der Mensch, bei dem es Schutz sucht, zugleich Angst auslöst?
Solche Erfahrungen können bis ins Erwachsenenalter nachwirken. Da ist die Sehnsucht, endlich anzukommen und vertrauen zu können. Doch sobald Nähe entsteht, meldet sich womöglich Unsicherheit. Man öffnet sich und zieht sich zurück. Sehnt sich nach Verbundenheit und fühlt sich plötzlich eingeengt. Wünscht sich Liebe und rechnet gleichzeitig damit, verletzt zu werden.
Man will gehalten werden – und kann es kaum aushalten, sich wirklich fallen zu lassen.
Auch der Körper spielt in diesem Bindungmuster eine bedeutende Rolle: Das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an, der Atem wird flach. Manchmal fühlt man sich wie abgeschnitten von den eigenen Empfindungen. Alte Schutzreaktionen können anspringen, obwohl die heutige Situation eine andere ist.
Das kann für einen selbst und für den Menschen an der eigenen Seite verwirrend und schmerzhaft sein.
Doch dieses Muster ist kein persönliches Versagen und kein unabänderliches Schicksal. Was früher Schutz bieten musste, darf sich verändern. Schritt für Schritt können wir lernen, unsere Reaktionen besser zu verstehen und neue Erfahrungen mit Nähe und Vertrauen zu machen.
Es geht nicht darum, sich zur Nähe zu zwingen. Sondern darum, sich selbst mit Verständnis zu begegnen und zu entdecken, dass Verbundenheit nicht zwangsläufig Gefahr bedeuten muss.
Spricht dich das an? Findest du dich in einzelnen Gedanken wieder?
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